Kein Freifunk in öffentlichen Gebäuden von Isen

Im Erdinger Anzeiger vom 03.12.15 gibt es einen ausführlichen Bericht über die Isener Gemeinderatssitzung vom 01.12.15:

Hier unsere Antwort:

Die Diskussion im Gemeinderat von Isen ging gegen die Genehmigung zur Aufstellung von Freifunk-Routern in öffentlichen Gebäuden der Stadt Isen aus. Wie konnte das passieren? Eine Erklärung mag nicht ganz einfach sein, von Weitem sieht es aber danach aus: Falsche bzw. unvollständige Informationen und wenig technisches Verständnis von der Materie.

Zur Aufklärung des Sachverhalts: Störerhaftung droht einem privaten Betreiber eines WLAN-Hotspots, wenn eine Straftat (z.B. eine Urheberrechtsverletzung) über seinen Router begangen wurde. Dies droht aber nicht beim Betrieb von einem Freifunk-Router, da Freifunk einen Tunnel (technisch: VPN-Tunnel) durch das Internet in das benachbarte Ausland, namentlich die Niederlande, aufbaut. Dadurch tritt der Internetverkehr des Nutzers erst im Ausland ins Internet über und unterliegt damit nicht der Störerhaftung.

Weiter ging es um die Vorratsdatenspeicherung. Diese gilt tatsächlich nur für Provider (z.B. die Telekom oder 1&1), nicht aber für Freifunk. Warum? Weil Freifunk genau kein Provider im Sinne dieses Gesetzes ist. Und damit entfällt also auch die Pflicht zur Vorratsdatenspeicherung oder irgendeiner anderweitigen Protokollierung.

Und schließlich noch der Jugendschutz: Anbieter jugendgefährdender Angebote müssen tatsächlich auch im Internet Zugangssicherungen und Alterskontrollen vornehmen. Diese Pflicht der Betreiber derartiger Internetseiten entfällt nicht  plötzlich bei Freifunk. Der Betreiber eines offenen WLAN Netzes kann es  hingegen nicht umfassend schaffen, Internetseiten zu sperren, die gegen diese Zugangssicherung jugendgefährdender Inhalte verstoßen. Zudem lassen sich solche Filter mit wenig technischem Know-How umgehen. Und genau dieses Know-How wird sich unter den Jugendlichen rasend schnell verbreiten.

Dass es tatsächlich ungeeignete Aufstellungsorte für WLAN-Hotspot geben mag, soll nicht bestritten werden. Aber dies trifft dann auch auf die WLAN-Hotspots eines kommerziellen Anbieters zu. Dieser bietet dann ein gefiltertes, protokolliertes und nur scheinbar rechtssichereres Internet an.

Hat Isen wirklich zu viel Geld?

Vor diesem Hintergrund mutet es schon seltsam an, wenn das Land Nordrhein-Westfalen Freifunk ab dem nächsten Jahr offiziell unterstützt.

Freifunk in Isen wächst

freifunk-isen-29_11_2015Neben Erding ist auch Isen stark dabei zu wachsen im Bezug auf die Vernetzung des Marktes. Innerhalb von 6 Wochen konnten wir mit finanzieller Unterstützung durch die Grünen in Isen und die Piraten in Erding einige Flüchtlingsunterkünfte mit Freifunk versorgen. Natürlich können sich die Isener Bürger auch über das Freie Netz freuen. So wurde der Marktplatz an der Kirche ST Zeno fast komplett mit Freifunk abgedeckt. Vielen Dank hierfür an die Firma PepperWebber und Alpha11 für die finanzielle und räumliche Unterstützung!

Im Bereich der Münchener Straße gibt es auf Höhe Fahrschule Flittner einen weiteren Freifunk Zugangspunkt. Der Kaufladen Isen ist zwar zu weit weg, um sich mit dem Router neben dem Rathaus zu verbinden, jedoch ein weiterer Schritt in Richtung „Freifunk überall in Isen“.

Wir arbeiten weiter am Ausbau des Isener Freifunk Netzes.

Am 09.12.2015 wird es im Marktgemeinderat noch eine Verhandlung zu offenen Wlans geben und ob die Stadt eigene Gebäude als Standorte für Freifunk-Router zur Verfügung stellen wird. Wir sind gespannt auf das Ergebnis.

freifunk-isen In der Isener Bürgerversammlung stand das Thema Internet auch sehr hoch im Kurs bei den Jugendlichen, diese nutzen das Internet über Freifunk vorwiegend mit ihren Smartphones. Die Kritik, dass Freifunk keinen Jugendschutz bieten würde, stimmt, jedoch ist kein Provider in der Deutschland verpflichtet, einen Jugendschutz zu gewährleisten. Die Richtlinien des Freifunk Projektes legen fest, dass ein freies Netz ohne Zensur oder Erfassung von Metadaten geschaffen wird. Jeder soll das Netz ohne Einschränkungen frei nutzen können .

Wir sehen auch kaum Potenzial, den Freifunk für den Austausch von Filmen & Musik Dateien über das Netz zu nutzen. Die generelle Nutzung von Filesharing nimmt ab, was an Diensten wie dem Musikdienst Spotify oder dem Videodienst Netflix liegt. Der Markt geht mehr auf die Kunden ein und schafft es Dienste anzubieten, welche flexibel und kostengünstig sind. Damit zeigt sich, dass Verbote wenig nutzen und neue Geschäftsmodelle effektiver sind.